Schule so ganz grundsätzlich 0

Beim ewiglich währenden Kampf um Integration, Inklusion und gemeinsame Beschulung mit individueller Förderung vergesse ich manchmal die große Misere.

Schwesterlein geht auf eine Regelschule (ohne Schwerpunkt etc.) und wird frontal unterrichtet nach einem mindestens 20 Jahre alten Unterrichtskonzept.

Evtl. ein wenig mit Modernerem aufgelockert, aber im Grunde oldschool (dieses Wort hier so nutzen zu können, löst tatsächlich ein leicht wohliges Gefühl aus. Wann hat man schon mal die Gelegenheit).

Das macht ihr aber nix, Schwesterleins Lernniveau kommt damit klar und unser Leidensdruck ist eher gering. Sohnemann würde da aber völlig untergehen.

Dafür ist die Schule aber ordentlich mit Personal besetzt und hat eine Schulleitung, die sich als Schulleitung und gleichzeitig ihr Handwerk versteht.

An anderen Schulen ist das nicht so. Vor zwei Jahren hörte ich von knapp 90 Grundschulen in Rheinland-Pfalz ohne Schulleiterin. Die werden alle kommissarisch verwaltet und wenn nicht von der vorherigen Stellvertreterin (und an kleinen Schulen gibt und gab es keine), dann zumeist von der dienstältesten Kollegin. Deren Qualifikation zur Leitung der Schule ist dann eben, das Dienstalter an dieser Schule.
Das muss reichen.

Das es viele Lehrkräfte gibt, die gar kein Interesse daran haben eine Schule zu leiten, scheint damit ja sichtbar zu sein. Die zuständigen Stellen nehmen also jeden, der nicht nein sagt. Eine qualitative Auswahl kann nicht mehr stattfinden.

Die Gründe dafür scheinen niemanden zu interessieren und Lösungen auch nicht. Es läuft ja.

Eine Lösungsidee wäre Manager aus den mittleren Positionen einzusetzen, evtl. aus Personalabteilungen oder mit Personalverantwortung und denen eine Verbeamtung anzubieten.

Ein Schulleiter muss nicht unterrichten – es würde reichen, wenn er die Schule leitet. Der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG baut auch keine Autos selbst.

Aber das wird wohl nicht passieren.

Aber das reicht nicht. Es wird noch schlimmer kommen, wenn sich auf dem Bildungssektor nicht mal endlich ordentlich was bewegt. Der Artikel im Tagesspiegel zeigt die Richtung an.

Nicht das ich gegen Quereinsteiger bin, aber wie bitte kann so was überraschend kommen?

Kann man als Land und Stadt Berlin nicht ungefähr wissen wie viele Kinder eingeschult werden und wie viele Lehrer benötigt werden? Hat man nicht etwa Geburtsstatistiken, Zu- und Abwanderungszahlen und eine Abteilung die sich um die passenden Forecasts kümmert?

Und warum dürfen die direkt unterrichten und parallel ein Referendariat absolvieren?

Würdet Ihr ein Auto kaufen, dass einer zusammengebaut hat, der erst parallel dazu die Ausbildung macht und erst nach zwei Monaten weiß, wie man schraubt und schweißt und Qualitätstests macht?

Das stimmt mich doch sehr missmutig.

Auf der anderen Seite habe ich heute zwei Stunden die kommende Schwerpunktschule von Sohnemann besucht. Eine Stunde Unterricht anschauen und noch eine Stunde Fragen und Antworten. Sehr positiv.

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Einschulen mit dem Down-Syndrom 0

Sohnemann wird eingeschult.
Auf einer Schwerpunktschule. Auf unserer Wunsch-Schwerpunktschule.

Die Schulleiterin der eigentlich zuständigen Schule (keine Schwerpunktschule) hat frühzeitig signalisiert, dass sie dieser Lösung zustimmen wird.
Die Schwerpunktschule hat auch schon ihre Zustimmung signalisiert.
Die Amtsärztin hatte auch nix dagegen.
Die Förderschullehrerin der zuständigen G-Schule, die für das schulpsychologische Gutachten zuständig ist, findet auch keine Gründe dagegen.

Aber die Form wird gewahrt und es ist erst dann verbindlich, wenn die zuständige Person bei der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz) das auch nochmal abnickt.

Wir erwarten aber auch hier keine Stolpersteine.

Trotzdem sind noch Fragen offen:

  • wird er eine I-Kraft brauchen und wie und vom wem wird das begutachtet?
  • wer organisiert die I-Kraft. Wir? Die Schule?
  • kann es die bisherige I-Kraft sein?
  • wird die Förderlehrerin der Schwerpunktschule im PEp hospitieren und vielleicht auch im Kindergarten schon mal vorbeischauen?
  • Wie wird der Fahrdienst laufen?
  • Und wann werden wir aufstehen müssen?

Fragen über Fragen die sich zusätzlich zum normalen Alltag anhäufen.

Aber diesmal bin ich zuversichtlich, dass es ohne große Hickups funktionieren wird.

Die Beteiligten scheinen insgesamt alle einer Meinung zu sein – das hat man ja nicht so oft.
Noch nicht mal über das Fernsehprogramm in der eigenen Familie…

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Zum Artikel „Windmühlenschule: Fördern und im geschützten Raum eigene Stärken finden „ in der Allgemeinen Zeitung Mainz am 18.12.2013 0

Der Text hier war schon etwas länger fertig und gehört zu einem Artikel in der Allgemeinen Zeitung in Mainz.
Link zum Artikel


Immer wieder scheint die Förderschule in der AZ ein Thema zu sein. Und immer wieder sind die Artikel in ihrer Tendenz eindeutig: eine Zukunft ohne Förderschule darf es nicht geben.

Ich habe ein Kind mit Down-Syndrom und es wird im Sommer auf eine Schwerpunktschule gehen. Die Förderschule kam als Alternative nie in Betracht. Natürlich gibt es Förderschulen die gut arbeiten und natürlich haben Förderschulen mit ihren Personalschlüsseln und Budgets große Vorteile für die Kinder dort.

Gehen wir davon aus, dass die Mühlenschule eine in allen Bereichen sehr gut arbeitende Schule ist, mit einem fachlich und menschlich ausnahmslos fähigen Personal. Dann ist sie eine gute Schule.

Es gibt auch gute Schwerpunktschulen. Gute Schulen gibt es überall. Schlechte Schulen auch.
Und eben auch schlechte Förderschulen.
Schulen in denen geistig Beeinträchtigte nach vier Jahren vier Buchstaben können aber 200 Mandalas ausgemalt haben. Die Betrachtung des Schulsystems kann eben nicht an Einzelfällen ausgemacht werden, sondern muss insgesamt stimmig sein, so dass das Ergebnis insgesamt gut ist.

Wo macht man nun die Abgrenzung zwischen der Beschulung eines Kindes in der Förderschule und in der Schwerpunktschule? Warum soll ein Kind das knapp über der Förderschulgrenze liegt, nicht mehr von optimaler Förderung, wie sie die Förderschule angeblich bietet profitieren? Warum soll dieses Kind dann in der Schwerpunktschule/Regelschule das ganze Schlechte, dass es da angeblich gibt, abbekommen. Warum sollen nicht alle Kinder die beschult werden, optimal gefördert werden?

Bildung kostet Geld. Und der Betrag pro Kind der in Förderschulen läuft ist sicher signifikant höher als in anderen Schulformen. Natürlich besteht auch ein höherer Bedarf – aber zu glauben, dass man Schwerpunktschulen und Förderschulen parallel finanzieren kann, ist eben nur ein Glaube.

Das Problem ist nicht das Konzept der Schwerpunktschule, sondern die Unterfütterung mit Ressourcen. Steckt man mehr Geld in Personal und das auf sinnige Art, dann wird das auch besser. Wenn man sieht, das Lehrer zum Ende des Schuljahres 6 Wochen arbeitslos werden oder das nicht genug Feuerwehrlehrer vorhanden sind und Klassen deswegen parallel von einer Lehrkraft unterrichtet werden oder Schüler nach Hause geschickt werden müssen, weil niemand mehr da ist, der sie unterrichtet – dann ist doch klar, dass die Förderschule mit maximal 10 Kindern in der Klasse bei 3-4 Betreuen besser aussieht.

Was mich aber wirklich auf die Palme bringt sind zwei Begrifflichkeiten im Artikel.
Einmal der Begriff „im geschützten Raum“ der im Artikel NICHT in Anführungszeichen steht, was aber wohl korrekt gewesen wäre. Was ist denn „der geschützte Raum“? Stumpfe Messer, wo man dadurch lernt das man sich mit Messern nicht schneiden kann? Aussonderung aus dem normalen Leben, damit man nach der 10. Klasse vor einer völlig fremden Welt steht, die man nicht versteht und die nicht weiß wie man mit „so“ jemanden umgehen soll?

Der andere Begriff ist die Inklusion. Der Begriff gehört nicht in Anführungszeichen. Aber ich gehe davon aus, dass die Autorin hier nicht ordentlich recherchiert hat. Der Wikipediaartikel dazu wäre schon als Grundlage allemal genug und dann noch die UN-Behindertenrechtskonvention durchlesen. Das hilft.

Inklusion bedeutet NICHT die Stärkung der Schwerpunktschulen und die Schwächung der Förderschulen. Inklusion ist die Beschulung ALLER Kinder GEMEINSAM OHNE Ausnahme.

Es gibt dann keine Regelschulen, Förderschulen, Schwerpunktschulen mehr.

Es gibt dann Schulen.

Beim letzten Absatz des Artikels hoffe ich nicht, dass die Schneiders und die Brauns, dass wirklich so rübergebracht haben. Man könnte es fast so verstehen, dass die Familien ihre Kinder ohne die Förderschule nicht lieben würden. Das wäre sehr traurig.

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Eine kurze Unterhaltung 0

Brot!
Hier bitte.
Danke.

Kein Brot. Joghurt!
Hier. Dein Joghurt.
Danke.

Kein Joghurt! Nudeln mit Ketchup!
Ne. Jetzt gibt es keine Nudeln. Da liegt Dein Brot und da steht ein Joghurt. Eins von beiden.
Das gemein. Fleischwurst
Fleischwurst BITTE.
Fleischwurst BITTE.
Nein. Keine Nudeln und auch keine Fleischwurst.

Film gucken.
Nicht ohne dass Du was gegessen hast
Essen. Fernseher.
Nein. Erst Essen, dann Fernsehen. Schluss mit der Diskussion.

Trinken was.
Das steht Dein Glas, schenk Dir selbst ein.
Ok.
Weißt Du Sohnemann, Ich habe Dich wirklich lieb, aber manchmal gehst Du mir mit Deinem Down-Syndrom echt auf den Keks.

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Freizeitparks und Menschen mit Beeinträchtigung 0

Im Jahr 2011 gab es hier ein paar Einträge bezüglich es (damals) unerträglichen Verhaltens von Teilen des Personals im Holiday Park in Haßloch.

Das Thema war mehr oder minder eingeschlafen und man hatte dort zumindest im Vergleich zur Ausgangssituation doch ein paar Punkte verbessert.

Heute finden sich zu vier Einträgen jeweils Kommentare  (leicht zusammengefasst) eines Lesers dazu:

  • Nur als Info: Die neuen Besitzer vom Holiday Park (die Plopsa Gruppe) hat inzwischen eine möglichkeit gefunden, auch behinderte Besucher auf die Attraktionen zu lassen. Man muss vorher ein Formular ausfüllen und die Haftung für Schäden ausschließen. Findet sich hier:
    http://www.plopsa.be/holiday-park/de/behinderte
  • Haben sich die Mühen also doch gelohnt ;)
  • In anderen Freizeitparks (Phantasialand und Movie Park z.B.) dürften behinderte nach wie vor keine Attraktion nutzen, aufgrund der TÜV Norm, da sie im Zweifel nicht in der Lage wären, sich selbst zu evakuieren (laut TÜV).
  • Auch wenn es etwas spät kommt, …: Die Information, dass man keine Fahrgeschäfte mit geistigen Einschränkungen benutzen kann, steht im Internet und am Eingang… Am besten informieren Sie sich vorher?

Lieber Kommentator,

im verlinkten Infoflyer findet sich ein Dokument vom TÜV bei dem der TÜV SUD Benelux im September 2009 auf Antrag der Plopsa (und das ist kein vom TÜV aus genehmigungsrechtlicher Sicht erzeugter Prüfbericht) zwei Unterlagen prüft:

  • 1.1 Leitfaden für Behinderte mit Referenz 20110913
  • 1.2 Risikenanalyse Zugänglichkeit Attraktionen für Behinderte mit Referenz 20110913

Und das Ergebnis lautet wörtlich:
“TUV SUD Benelux kann die Reglementierungen und Beschränkungen in beiden Unterlagen beitreten”

Die dort eingereichten Unterlagen sind nicht direkt verlinkt und was der TUV SUD geprüft hat, ist mir nicht ersichtlich.
Und was es bedeutet, wenn ich “die Reglemtierungen beitrete” scheint auch extrem unklar.

Die zu unterschreibende “Erklärung der Kenntnissnahme” beinhaltet auch keinen Haftungsausschluss. Noch dazu ist diese Erklärung nur von der Begleitperson zu unterschreiben – hier wird pauschal allen Menschen mit Beeinträchtigung das Recht für sich selbst zu entscheiden aberkannt. Sofern ein Mensch mit Beeinträchtigung hilflos (Kennzeichen H) ist, lasse ich da noch mir reden. Bei allen anderen aber, finde ich alleine schon die Erklärung an sich indiskutabel.

Zu den Bestimmungen der EN 13814 selbst findet sich hier ein netter Beitrag: http://inklusion.rlp.de/fileadmin/landesbehindertenbeauftragter/Fahrgeschaefte_und_Nutzung_durch_Menschen_mit_Behinderun.pdf

Probeweise habe ich den Moviepark nochmal geprüft und das Ergebnis ist das hier: http://www.movieparkgermany.de/sites/default/files/services/attachments/Handicapped_Guide_DE_2012.pdf
Das sieht in keiner Weise irgendwie einem Verbot ähnlich, sondern es zeigt im Detail auf, wo Probleme liegen können.

Und das ist auch in Ordnung – es gibt durchaus Beeinträchtigungen, die manche Attraktion mit einem zu hohen Risiko versehen. Da muss ich aber einfach davon ausgehen, dass der Mensch mit Beeinträchtigung oder seine Begleitperson, das korrekt einschätzen können. Denn das ist eine Kompetenz, die man sehr früh lernt. Und auch dann kann es immer noch eine Restmenge von Menschen geben, die zu risikoreich vorgehen – und da sollte auch eingegriffen werden.
Aber das Verhalten des Holiday-Park Personals in der Vergangenheit, das Menschen einzig aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes von der Teilnahme ausschloss (“Du siehst zu behindert dafür aus…”), ist mir immer noch unerträglich.
Zumal ich bisher auch nicht eine einzige Entschuldigung dafür mitbekommen hätte. Weder öffentlich noch im einzelnen.
Wohl aber gab es ein Gerichtsurteil, bei dem der Betreiber zu einer Zahlung von 500 Euro an den Betroffen verurteilt wurde.

Wirklich sehr gerne würde ich übrigens Berichte von Menschen mit Beeinträchtigungen bekommen, die von ihren positiven Erlebnissen in Themenparks berichten und evtl. Empfehlungen aussprechen können.

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