Explizite Sprache und Posergehabe 0

So nach und nach machen sich (nicht überraschend) die Sitten in der Schule bemerkbar.

Was guckst Du so blöd? und Was grinst Du so? sind zwei Fragen die von Sohnemann gerade beständig gefragt werden. Immer mit einem Lächeln auf den Lippen, aber der Ton wird härter. Da bekommt man auch schon mal den Vogel gezeigt, wenn es auch nur irgendwie passt. Und irgendwie passt es ja immer.

Zudem hat er nun auch schon zwei, drei Mal den bösen Finger gezeigt. Immer mit einem “Papa guck” und schwupp kam der Rebell raus. Natürlich habe ich ihm gesagt dass er, solange er seine Füße unter meinen Tisch stellt, sich sowas nicht erlauben kann und habe ihm gleichzeitig verboten den Motorradführerschein zu machen oder Mädchenbesuch nach 22:00 zu haben.

Da er dabei allerdings auch nicht gegrinst hat, sondern wohl schon wusste, dass das eine schlimme Geste und kein Spaß ist habe ich mal beide Augen zugedrückt. Und das mit dem Mädchenbesuch, dass überleg ich mir nochmal genau, er hat ja noch ein paar Tage Zeit das vorzubereiten. Und genau genommen stellt er die Füße ja auch nicht unter meinen Tisch, sondern unter den von der bEvA. Mal abgesehen davon, dass die nicht stehen sondern hängen. Es sei denn, sie wären verkreuzt auf der Sitzfläche gelagert.

Insgesamt hat Sohnemann in der Schule wieder diverse Schübe in der Sprachentwicklung gemacht. Größerer Wortschatz, längere Sätze und nahezu flüssige Unterhaltungen lassen hoffen. Und das mit der undeutlichen Aussprache bekommen wir auch noch hin. “Du Kaka Pipi Hose alter Junge Schwede” ist ja schon seit Jahren sehr gut zu verstehen.

 

Sohnemanns Fussballkarriere aus ethischen Gründen beendet. 0

Hier und da habe ich schon von dem Fußballverein im Nachbarort berichtet bei dem Sohnemann in der G-Jugend (Bambinis) spielte. Mit Sondergenehmigung des DFB (recht einfach) durfte er dort auch spielen, obwohl er eigentlich zu alt ist.

Sohnemann ist Fußballfan. Im Urlaub hat er sich ein Trikot von Pirlo (wenn schon Italien dann doch immerhin Pirlo) zugelegt. Das ist eins seiner drei Lieblingsshirts.
In der Schule ist er immer dabei. Auf dem Schulhof und in der Fußball AG.

Im Verein habe ich ihn jetzt allerdings abgemeldet.

Sohnemann hat es gerne friedlich. Wenn jemand den Ball hat – und sei es ein Gegner – dann ist der Ball dem Anderen. Da geht Sohnemann nicht ran, er will ja schließlich auch nicht, dass man ihm den Ball wegholt. Auch die taktische Aufstellung und das Raumzeit-Verhalten haben durchaus Verbesserungspotential.

Trotzdem ging es nicht mehr. Er verlor immer mehr die Lust auf das Training und auf die Spiele. Letztlich stand er unbeteiligt auf dem Feld und hat gewartet, dass er nach Hause durfte.

Wir haben da einige Zeit überlegt ob wir das trotzdem durchziehen. Schließlich war der Verein offen, die Trainer gut und aufmerksam. Beim letzten Spieltag stand er dann aber schweigend auf dem Feld und ließ traurig Tränen über das Gesicht laufen. Und da hat es mir gereicht und wir haben das beendet.

Natürlicht überlegten die bEvA und ich abe lange, warum er im Verein nicht mehr klar kam. Das war sein Alter und Fußball ist immer noch sein Ding. Und irgendwann fiel es uns ein.

Die Mannschaft hatte gewechselt und ein paar neue Jungs sind dabei. Zwei davon sind, na – sagen wir mal verhaltensoriginell. Und der eine davon ist meines Erachtens wenig bis gar nicht erzogen. Im Spiel und im Training kam es dann beständig zu Streit zwischen den beiden und auch mit den anderen. Respektlosigkeit gegenüber Erwachsen, die von den anwesenden Eltern nicht geahndet wurde. Spielunterbrechungen weil die beiden (abwechselnd) aus Gründen keine Lust mehr hatten.
Schlechte Pässe der Mitspieler, die Sonne steht schlecht, der Tormann ist der Meinung, dass er besser Tore schießen will, statt welche zu verhindern und das Ganze gemischt mit aggressivem Auftreten, Brüllerei und Schimpfwörtern.
Ich habe mich als begleitendes Elternteil am Spielfeldrand durchaus öfter geschämt für das Verhalten der Jungs und fremdgeschämt für das Verhalten der Eltern.

Wenn ein siebenjähriger Rotzlümmel mit den Worten »Ihr seid alle Arschloch. Alle Arschloch.« das Feld verlässt, dann dazu überredet wird weiterzuspielen und die Eltern dem kleinen Sack dafür nicht zuhause die komplette Spielecke in der Müllverbrennung verklappen, dann hat das wirklich keinen Zweck.

Streit aber findet Sohnemann doof. Und zwar so richtig. Irgendwann hat er dann abtgeschaltet. Training und Spiel mit der Mannschaft waren verankert als Stress und miese Stimmung. Und da bin ich voll bei ihm. Das muss nicht sein.
Mir ist klar, dass manche Kinder schwieriger sind als andere oder das Umstände einfache Reaktionen verkomplizieren können – aber irgendwo ist Schluss.

Sohnemanns Fußballkarriere ist also auf Eis gelegt und ich spare mir die Spiele an nebligen Herbstsonntagen morgens um 9 Uhr.
Win-Win.

Inklusion mit oder ohne Förderschulen? 0

Ganz guter Artikel zur Inklusion bei T-Online:

http://www.t-online.de/eltern/schulkind/id_72371510/foerderschule-contra-regelschule-schreckgespenst-inklusion-.html

Auch wenn ich nicht der Meinung bin das man einen Begriff wie „die totale Inklusion“ benutzen sollte (vor allem weil Inklusion als Prinzip eben schon total ist. Es gibt nicht „ein bisschen“ Inklusion), hat sie doch einen interessanten Punkt aufgeworfen:

„Die Konvention verbietet nämlich nicht die Förderschulen. Sie verbietet lediglich, ein Kind per Bescheid in eine solche Schule zu zwingen. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.“

Ich habe jetzt nicht nochmal die Konvention gelesen, aber ich gehe davon aus, dass sie hier Recht hat. Leider macht dieser schöne Abschlussabsatz einen Teil des Artikels überflüssig.

Unsere jetzige Struktur im Bildungssystem ist in einer Inklusion mit Förderschulen nicht finanzierbar. Es fehlt sowieso schon an allen Ecken und Enden an Ressourcen in der Bildung, und das hauptsächlich wegen des finanziellen Drucks (von den verrosteten Verwaltungsstrukturen gar nicht geredet).

In erster Linie muss, völlig unabhängig ob inklusiv, integrativ oder konservativ unterrichtet wird, Geld auf die Bildung geworfen werden. Das fängt im Kindergarten an mit ordentlich bezahlten Arbeitskräften, vernünftigen Personalschlüssen und kindgerechter Ausstattung und geht von da aus weiter mit hunderten von offenen Punkten über die Grundschule, weiterführende Schule bis ins Studium.

Ein paar offene Punkte als Beispiele (bezogen auf Rheinland-Pfalz):

  • Grund- und Hauptschulpädagogen verdienen per Dekret immer weniger als die Kräfte an den Realschu8len und Gymnasien. Grund- und Hauptschule ist begrenzt auf A12 (Schulleiter dann A13). Dabei ist die Arbeit an der Grundschule mindestens ebenso wichtig wie an den weiterführenden Schulen – eher noch wichtiger. Das nimmt sogar abstruse Züge an. Die von den „aufgelösten“ Hauptschulen an die Realschule+ versetzen Kräfte verdienen dort jetzt auch nur A12. Weil sie ja „nur“ Hauptschulpädagogen sind (sollte sich das geändert haben, teilt mir das bitte mit).
  • Etliche Schulleiterstellen bleiben unbesetzt, da einerseits die finanziellen Anreize für die Lehrkräfte fehlen diese zu besetzen (in der Grundschule eine Gehaltsklasse höher und sonst wenig) und man andererseits immer noch davon ausgeht, dass der Schulleiter in seiner Hauptfunktion Lehrer sein muss. Warum ändert man nicht das Schulgesetz und nimmt für Schulen ab Größe X die Leute, die wir anderen Arbeitnehmer Manager nennen? Da gibt es einige die vielleicht wechseln würden oder frei sind. Die Personalverantwortung gewohnt sind. Die sich mit Strukturen und Prozessen auskennen. Die evtl. zwischen 50 und 60 sind und trotz hoher Qualifikation und Erfahrung keinen Job mehr finden. Und die dann eben nicht mehr unterrichten.
    Keiner verlangt vom Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa, dass der noch mindestens 10 Stunden im Monat ein Flugzeug fliegt oder Turbinen repariert. Aber lieber geht man hin und setzt jeden der nicht schnell genug Nein sagt mit einer Kurzzeitschulung auf einen Schulleiterposten. Der kann dann zwar noch unterrichten, hat aber keine Ahnung von Verwaltungsprozessen oder Budgetplanung.
  • Die in RLP tätige Agentur für Qualitätssicherung, Evaluation und Selbständigkeit von Schulen (http://www.add.rlp.de/AQS/) evaluiert alle Schulen in Rheinland-Pfalz. Maßgabe ist dabei natürlich dass jede Schule sich „weiterentwickeln“ muss. Und wenn die Schule die AQS mal einfach eben nicht ernst nimmt – macht das auch nix. Was soll schon passieren? Die Schule bekommt nicht weniger Geld, es gibt ja eben auch nicht mehr im anderen Fall. Was sollte auch die Konsequenz sein?
    Eine Qualitätssicherung ohne Konsequenz aber mit erhöhtem Aufwand für die Schulen kann man sich sparen und spart dadurch Geld und Zeit und Nerven auf allen Seiten.
  • Lehrkräfte werden oft zu außerschulischen Aktivitäten überredet. Ein Beispiel: das Lehrerzimmer einer Grundschule ist (wie auch einige andere Räume der Schule) stark renovierungsbedürftig. Die Schulleitung erwähnt das man durchaus Farbe kaufen könne, aber Geld für Maler gäbe es nicht. Die Lehrkräfte sollten doch bitte das Anstreichen auf freiwilliger Basis selbst organisieren – und natürlich nach dem Unterricht. Da bleiben den Lehrkräften drei Möglichkeiten:
    1. Es bleibt wie es ist.
    2. Die Lehrkräfte streichen in ihrer Freizeit und mit hoher Wahrscheinlichkeit unversichert selbst.
    3. Die Lehrkräfte bezahlen aus ihrer eigenen Börse einen Dienstleister.
    Und nur um das klarzustellen – das ist nicht erfunden. Die Schule und die Situation sind mir persönlich bekannt. Was soll das?

Wie so oft fehlt es also am Geld.

Wenn mehr Geld gebraucht wird um die Schulen in die Lage zu versetzen einfach alle Schüler ordentlich zu beschulen, dann muss das her. Und zwei parallele Schulsysteme kosten einfach mehr.

Deswegen: Eine Schule für Alle und Bildung für Alle ordentlich finanzieren.

Kleiner Artikel über Sohnemanns Schule in der Zeitung… 0

In der Allgemeinen Zeitung (Alzey) war ein Artikel über die Schule die Sohnemann besucht.

Bevor Ihr aber auf den Link klickt, empfehle ich die Installation von einem Werbeblocker.

Nix gegen Werbung im Internet, wirklich nicht. Aber wenn ich auf einem großen Bildschirm die riesige Werbung oben weg scrollen muss bis aus der riesigen Einblend-Werbung unten endlich der Text rauskommt, dann ist das übertrieben.

Sohnemann mit Bild in der AZ

Jetzt raten, welcher coole Kerl davon meiner ist.

 

Suchbegriffe die hier im Down-Syndrom Blog aufschlagen 0

WordPress gibt mir eine liste von Suchbegriffen die Blog aufschlagen. Zumindest wenn die Suchergebnisse über Google reinkamen. Aber außer Google gibt es im Grunde eh nix.

Beim Reinschauen waren heute die folgenden Begriffe als letzte 10 drin.
Und irgendwie sind die teilweise verwirrend.

  1. klaviersrück ausveinem film mit mongoloiden
    Ok. Da kann ich verstehen wo das hinzielt. Auch wenn die Wortwahl eher etwas grenzwertig ist.
    Das meint wahrscheinlich “So wie Du bist”.
  2. hose für downsyndrom
    Huh?
    Das kann man in eine Hose packen?
    Oder ist da ein spezieller Schnitt gemeint?
    Leider kommt da ja keine weitere Information mit.
  3. förderlehrer gemeinsamer unterricht
    Na also.
    Geht doch.
  4. blog down syndrom
    Das ist offensichtlich.
  5. hund mit down syndrom
    Und das ist eine wirklich interessante Anfrage.
    Gibt es das Down-Syndrom bei Tieren?
    Eine kurze Suche zeigt, das Katzen nur 19 Chromosomenpaare haben und damit eine Trisomie 21 schon mal ausgeschlossen ist.
    Trisomien sind in der Tierwelt aber anscheinend schon vorhanden, nur werden in der Regel die Begleiterscheinungen nicht abgefangen.
    Wie der Suchende allerdings auf die Fragestellung mit Hund kommt, ist mir unklar.
    Ein Hund hat 78 Chromosomen und damit 39 mögliche Trisomien.
  6. vortrag von andre zimbel
    Noch besser: Selbst besuchen.
    Die Vorträge von Andre Zimpel sind unter anderem sehr unterhaltend.
  7. down syndrom und katarakt
    Da musste ich schon wieder googlen.
    Was ist ein Katarakt?
    Als Wasserfallvariante war mir der Begriff bekannt, aber aus medizinischer Sicht nicht.
    Wikipedia sagt: Die Katarakt oder der graue Star bezeichnet eine Trübung der Augenlinse.
    Gibt es da eine besondere Häufung beim Down-Syndrom?
    Die Suche bei Google führt mich überraschenderweise zu meinem eigenen Blogartikel aus 2011: http://www.downsyndromblog.de/down-syndrom-die-augen-und-eine-brille/
    Das war mir nicht mehr bewusst.
  8. down syndrom nach geburt nicht erkannt
    Das muss nicht das Schlimmste sein.
    Bei uns hat das auch ein paar Tage (fast Wochen) gedauert, bis wir auf die Idee kamen und dann nochmal länger, bis uns die Blutanalyse Gewissheit brachte.
  9. down syndrom nach der geburt erkennen
    Schaut hier: http://www.downsyndromblog.de/tag/symptome/
  10. vier finger furche
    Siehe Punkt 9.
    Das ist nicht hundertprozentig so, aber eben eins der Anzeichen.
    Christoph Schlingensief hatte eine.
    Zwar lebte der auch unter den besonderen Bedingungen von was auch immer, aber er hatte keine Trisomie 21.

Ich frage mich trotzdem was die Suche mit der Hose sollte.
Hat da jemand eine Idee?

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