Der Fall Henri und Inklusion mit Down-Syndrom 0

In den letzten Wochen war der „Fall Henri“ ein Thema, das mich auf unterschiedlichen Medien und Wegen erreichte und beschäftigte.

Es gab auf der Down-Syndrom Mailingliste Aufrufe zum Unterschreiben der Petition, die gegenteilige Position des Nicht-Unterschreibens und diverse andere Argumentationsketten mit dagegen und dafür.
Und irgendwann landete das Thema bei Günther Jauch und in Folge davon auch in den  verschiedenen Nachrichtenmedien.
Nebenbei bemerkt hätte ich gerne die Gäste bei Jauch gefragt, wer von ihnen Carina Kühne, die Frau mit Down-Syndrom, als gleichberechtigte Gesprächspartnerin ansieht. Nicht das man eine ehrliche Antwort erwarten kann, aber vielleicht hätte das bei dem einen oder anderen einen Gedankensprung ausgelöst.

Ohne jetzt auf die Situation einzugehen, die speziell für Baden Württemberg gilt (Bildung ist Ländersache), verstören mich doch zwei Sachen.

Die Erste ist ein Dauerbrenner.
Anscheinend schafft es kaum jemand in der Medienwelt sich mit dem Begriff der Inklusion mal auseinanderzusetzen. Ein Blick in die Wikipedia oder bei Aktion Mensch genügt. Man braucht nur eine Suchmaschine bedienen zu können, oder sich das von jemanden ausdrucken zu lassen.

Das ist ganz einfach. Inklusion bedeutet ALLE und das IMMER.

Wenn dann der Vorsitzende des deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagt (Zitat aus dem Weltartikel) „Und bei den deutschen Schülern an Förderschulen wisse er, dass von den 380.000 Schülern nur etwa die Hälfte für die Inklusion geeignet seien“, dann kann man daraus schließen, das er
– entweder sich nicht mit der Idee und dem Gedanken der Inklusion beschäftigt hat. Und das gehört zu seiner Aufgabe in seiner Position. In dem Fall wäre er also der falsche Mann an dieser Stelle.
– oder das getan hat und trotzdem so argumentiert und damit zeigt, dass er die Idee und den Gedanken der Inklusion ablehnt und aktiv verwässern will. Damit wäre er für mich nicht der Mesnch, den ich an dieser Stelle gerne sehen würde.
– Oder er versteht es einfach nicht. Das kann ich aber kaum glauben.

Ich kann das wohl kaum oft genug sagen: Inklusion = IMMER. ALLE.

Die Zweite scheint eine grundsätzliche Position in der Betrachtung zu sein.

Ob oder ob nicht ein beeinträchtigtes Kind von einer Schule aufgenommen werden muss, oder nicht, ist irrelevant.
Das ergibt sich aus dem Begriff der Inklusion. Das es aber eben keine (Umsetzung der) Inklusion geben kann, wenn das gegliederte Schulsystem mit Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien beibehalten wird, scheint mir klar.
Wenn also Inklusion, dann nur mit der Auflösung der alten Strukturen.

Die Diskussion muss also geführt werden über das WIE der Ablösung.
Dass es da noch gewaltige Probleme gibt, wie personelle Unterbesetzungen, Finanzierungsprobleme, Ausstattung und so weiter, ist unbestritten.
Das aber immer als Grund anzuführen, ohne den Ansatz die Probleme an der Wurzel anzugehen, das ist verwerflich.

 

Update:

Die Diskussionen laufen weiter und es gibt noch ein paar interessante und sehr lesenswerte Links:
http://inklusionsfakten.de/inklusion-ist-schoen-aber-bitte-nicht-auf-gymnasien/
http://www.sueddeutsche.de/bildung/studie-zu-inklusion-foerderschueler-in-regelschulen-erzielen-bessere-leistungen-1.1954084
http://www.zeit.de/2014/20/sonderschulen-inklusion