Down-Syndrom und verringerte Schmerzempfindung 3

Down-Syndrom und verringertes Schmerzempfinden

Hier habe ich die Behauptung aufgestellt, dass Kinder mit Down-Syndrom oftmals ein vermindertes Schmerzempfinden haben. Die Behauptung habe  ich nun versucht zu überprüfen

Sucht man nach Downsyndrom und Schmerzempfinden bei Google, findet man nicht wirklich viele Quellen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es bei Sohnemann so ist. Wenn er sich den Kopf stößt, dann ist das (bei entsprechender Stimmungsmache unsererseits) sehr schnell weg. So schnell, dass ich oft nochmals prüfe, ob wirklich keine Wunde oder Verletzung entstanden ist, die er vielleicht nicht mehr merkt.

In der Zeitschrift „Leben mit dem Down-Syndrom“ des DS-Infocenters Nr. 51/Jan. 2006 findet sich ein Artikel von Gundula Meyer Eppler (Therapeutin und Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom) in dem diese schreibt:

„Ein anderes Schmerzempfinden?

Es ist keineswegs so – wie früher geglaubt wurde –, dass Menschen mit Down-Syndrom keinen Schmerz empfinden oder alles sofort wieder vergessen. Das Problem liegt unter anderem darin begründet, dass Menschen mit Down-Syndrom langsamer reagieren und dadurch auch ihre Reaktionen langsamer zeigen. Sie können ihre Gefühlsregungen nur viel schwächer und undeutlicher äußern. Dazu kommt, dass Menschen mit Down-Syndrom sehr früh lernen, überwiegend positive Gefühle zu zeigen. Ein Lächeln wird früh wahrgenommen und es wird früh darauf reagiert. Das ist die eine Gefühlsäußerung, die deutlich und klar ist für die Umwelt des Kindes. Äußerungen von Schmerz, Angst, Kummer, Wut oder anderen Gefühlen werden oft gar nicht wahrgenommen, weil die Signale vom Kind zu schwach gesetzt werden oder zu spät kommen und somit nicht verstärkt werden. In unserer Gesellschaft werden außerdem überwiegend nur die „positiven“ Gefühle akzeptiert, die „negativen“ Gefühle werden verdrängt oder unterdrückt; und das bei allen Kindern, nicht nur bei Kindern mit Behinderungen. Die Tatsache, dass Menschen mit Down-Syndrom deswegen oft kaum Schmerzen zeigen, ist aber nicht gleichzusetzen mit „keinen Schmerz spüren“ oder „schon vergessen“. In der Vergangenheit hat diese falsche Deutung von Schmerzempfinden und von Emotionen dazu geführt, dass Menschen mit Down-Syndrom andere, weit weniger schonende Behandlungsmethoden erleiden mussten als Nicht- Behinderte und auch im Nachhinein eine weniger gründliche und mitfühlende Nachsorge erfahren haben.“

Danach geht Sie noch tiefer auf das Thema Trauma ein, das aber für diesen Artikel nicht relevant ist.

Ich fand auch noch eine Arbeit im Clinical Journal of Pain  von 1999, die sich mit Schmerzempfinden bei Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung befasst.

Auch eine Arbeit in „the scrientific world bringt ein paar Einblicke.

Es gibt weitere Arbeiten und Hinweise zum Thema „Geringes Schmerzempfinden bei Menschen mit geistiger Behinderung“, die aus meiner Sicht nur eine Tendenz erkennen lassen.

  • Physischer Schmerz scheint geringer ausgeprägt zu sein bei Menschen mit Down-Syndrom.
  • Psychischer Schmerz wirkt wesentlich länger.

Leider finde ich keine genauere Angaben zu dem Thema, aber sollte jemand eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema kennen, wäre ich sehr interessiert davon zu erfahren.