Mongoloid, Downie, Triso und andere politisch unkorrekte Bezeichnungen 0

Über den SAT-1 Filmtitel „Die Mongolettes“ habe schon einige Menschen aus dem Umkreis der direkt oder indirekt Betroffenen diskutiert. Und gemeint ist hier tatsächlich der Titel und nicht der Inhalt des Films.

Im Film selbst gründen Menschen mit Down-Syndrom eine Band und geben ihr den Namen „Die Mongolettes“. Aus ihrer Sicht wohl eine selbstironische Wahl, sofern wir vergessen, dass ein Film Fiktion ist und einem Drehbuch folgt.

Die Diskussion um den Titel begründet sich in der unseligen Geschichte des Wortes mongoloid. Der Neurologe John Langdon-Down (wegen diesen Namens heißt es Down-Syndrom und viele wünschen er hätte Langdon-Up geheißen) bezeichnete das von ihm beschriebene Syndrom als mongoloide Idiotie. Und das tat er, wegen der Ähnlichkeit der Gesichtsmerkmale mit den ethnischen Gruppen der Mongolen.

Dass heute mongoloid nicht mehr politisch korrekt ist, liegt an der Bitte der Mongolei, den Begriff nicht mehr zu benutzen. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Mongolei dabei nicht an die Diskriminierung der Menschen mit Down-Syndrom dachte, sondern an die Diskriminierung von mongolischen Menschen, denen dadurch eine geistige Beeinträchtigung als Vorurteil begegnete (oder begegnen konnte).

Der Begriff Down-Syndrom wurde allgemein als Bezeichnung übernommen und hat sich durchgesetzt, wobei der Begriff mongoloid immer noch zu finden ist. Das ist z. B. der Fall beim immer noch im Verkauf befindlichen Buch Josefinchen Mongolinchen oder auch in einem Sketch der Comedy-Gruppe Mundstuhl.

Professor Zimpel spricht ausschließlich von Menschen unter den besonderen Bedingungen einer Trisomie 21 (und das zieht er durch, Respekt), ich spreche in der Regel von Menschen mit Down-Syndrom oder Kindern mit Down-Syndrom.

Sprechen wir in unserer Spielgruppe über unsere Kinder mit Down-Syndrom und wollen diese von den Regel-Kindern unterscheiden, dann sprechen wir in der Regel von den Downis. Dann gibt es noch Geschwisterkinder (Kinder mit Geschwistern mit Beeinträchtigungen), Mädchen (Kinder weiblichen Geschlechts), Buben (Kinder männlichen Geschlechts), Blondis (Kinder mit blonden Haaren), Brillis (Kinder mit Brillen) und so weiter (Na gut, Blondis und Brillis sagen wir nicht, aber das kann ja noch kommen).

Jetzt lese und höre ich immer wieder das der Begriff Downi diskriminierend sei und nicht benutzt werden soll. Wie so oft ärgert mich das. Ein Begriff, der kurz und prägnant die gemeinte Teilmenge von Menschen beschreibt, und dann soll man ihn nicht mehr benutzen.

Doch trotz allem Ärger darf man nicht vergessen, dass die Bezeichnung schon eine Wertung enthalten kann. Unterschieden z. B. die verschiedenen politischen Gruppen damals zwischen Baader-Meinhof-Gruppe und Baader-Meinhof-Bande, so hatte das den Grund, dass Bande im Zusammenhang eindeutig negativ besetzt war.

Und redet heute ein Politiker von Mindestdatenspeicherung, statt von Vorratsdatenspeicherung, dann nur, weil der Begriff Mindestdatenspeicherung nicht negativ besetzt ist, sondern ganz im Gegenteil impliziert, dass nur das absolut notwendige Minimum gespeichert wird.

Und benutzt heute jemand (ich möchte hier mal die älteren Menschen von 80 aufwärts ausnehmen, deren Lebenserfahrung keinerlei Verbindung zu den Begriffen Down-Syndrom oder Trisomie 21 beinhaltet, und die keinen anderen Begriff kennen, der passen könnte) den Begriff mongoloid, oder noch schlimmer, den Begriff Mongo, so kann er den nur zusammen mit der negativen Bedeutung verwenden und dann ist das verwerflich.

Ich selbst zucke innerlich zusammen, wenn ich „behindert“ sage. Ich bemerke aber auch, dass ich immer öfter „beeinträchtigt“ verwende. Auch versuche ich, ähnlich der Idee von People First, Menschen mit Down-Syndrom oder Kinder mit Down-Syndrom zu verwenden.

Downi(e) ist bei mir und in meinem Umfeld noch nicht negativ belegt, aber das scheint sich auszuweiten.
Ich gestehe jedoch ausdrücklich jeder Kunstform zu, diese negativ belegten Ausdrücke zu benutzen.
Sofern das Ziel dieser Kunst eben nicht ebenso ausdrücklich dazu dient, den Begriff negativ zu nutzen.

Der Filmtitel „Die Mongolettes“ ist da im Grunde kein Diskussionsthema. Wenn sich eine Band aus oder mit Menschen mit Down-Syndrom bilden würde und sich genau diesen Namen gäbe, dann würde das kaum einen aufregen. Ganz im Gegenteil, sie bekämen wahrscheinlich in großem Maße ein positives Echo, wegen der offensiven Art mit der Situation umzugehen.

Und der Film ist eben ein Film. Und ein Film stellt (im besten Fall) eine Situation dar, die im wirklichen Leben so vorkommen könnte. Und in diesem Rahmen ist das ein absolut zuträglicher Titel.

Wer mehr über die Bedeutung von Begrifflichkeiten lesen möchte, dem empfehle ich das Neusprech-Blog. Martin Haase und Kai Biermann erklären dort Sinn und Unsinn von (Un-)Begriffen.