Das Down-Syndrom ist ansteckend

Der folgende Text ist im Original von Wendy Holden, die mit ihren sechs Kindern im Osten des Washington State lebt (links oben in den USA).

Er hat mich im Original sehr angesprochen – ähnlich wie der Text über Holland. Nach kurzer Suche fand sich Wendy im Internet und genehmigte die Übersetzung und die Verwendung des Textes.

Ihre E-Mail Adresse ist unter den Texten angegeben.

Die Übersetzung war doch nicht so einfach wie ich dachte, aber ich hoffe sehr nahe am Sinn und der Aussage des Originals geblieben bin.

Der Text ist auch als PDF verfügbar – deutsch und englisch.


Das Down-Syndrom ist ansteckend

Das Down-Syndrom ist eine Genmutation, bei der eine Verdreifachung des genetischen Materials auf dem 21. Chromosom vorliegt. Diese Trisomie entsteht bei der ersten Teilung der sich entwickelnden Zygote und als Folge dessen gibt es dann zusätzliches genetisches Material in jeder Zelle des Menschen.

Vor kurzem hat die Wissenschaft entdeckt, dass diese Zellanormalität hoch ansteckend ist. Als Ergebnis zeigen Familienmitglieder (und sogar Freunde) von Menschen mit Down-Syndrom oft – bewirkt durch dieses „Spezielle Extra“ – dramatische Veränderungen, die ihre Körper auf zellulärer Ebene durchdringen. Diese Veränderungen manifestieren sich auf verschiedenen Wegen.

Das “Spezielle Extra” bewirkt im visuellen Bereich des Gehirns der Eltern, dass sie die Welt anders sehen. Zusätzlich zu dem Punkt, dass man Dinge in einem anderen Licht sieht, haben diese Eltern auch eine erhöhte Fähigkeit sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren. Spontanes Auftreten von Freudentränen wurde ebenfalls bestätigt. Der Teil des Gehirns, der das logische Denken steuert, erfährt dramatische Veränderungen.

Eltern sind plötzlich in der Lage, komplexe medizinische Prozeduren zu verstehen und darüber zu diskutieren. Die Fähigkeit, lange Ketten von Abkürzungen zu entziffern, entsteht fast sofort und es ist für betroffene Eltern von Neugeborenen nicht ungewöhnlich, zwischen ASD, VSD und PDA differenzieren zu können. Vertrautheit mit PEG-Sonden, dem ventrikulo-aurikulären Shunt und der Neugeborenen-Intensivstation sind weitere Nebeneffekte.

Im Laufe der Zeit wird das gesamte Nervensystem verwandelt und befähigt dadurch die Eltern Aufgaben auszuführen, die bisher als unerreichbar galten. Diese Veränderungen führen dazu, dass sie den Mut finden, ihr Anliegen vor großen Menschenmengen zu vertreten, in Seminaren mit Medizinstudenten zu sprechen und die Bevölkerung über die ihnen am Herzen liegenden Sachverhalte zu informieren.

Diese Veränderungen sind eng an Funktionsstörungen in den verbalen Fähigkeiten gebunden, wodurch es praktisch unmöglich für diese Eltern wird, sich selbst auf die Zunge zu beißen. Oft stellen Menschen – die sich selbst als zurückhaltend definiert hätten – fest, dass sie freimütig und effektiv mit anderen Menschen kommunizieren können.

Das pulmonale System wird auf einen dramatischen Umfang erweitert. Eltern berichten, dass ihnen der Atem bei der kleinsten Gelegenheit wegbleibt. Auch das Herz-Kreislauf-System entwickelt ähnliche Schwachstellen und Berichte über lautes Herzklopfen und unerwartetes Anschwellen der Brustmuskulatur sind keine Seltenheit. Eine Mutter berichtet, dass ihr Herz einen Satz machte, als ihr Sohn sie zum ersten Mal anlächelte.

Die Extremitäten sind ebenfalls verändert. Arme strecken sich, um bei Fremden um Unterstützung zu fragen, und im Gegenzug reicht man denen, die Unterstützung bedürfen, die Hände. Die Beine werden stärker und das Gleichgewicht verbessert sich, damit die Eltern fest zu ihren Überzeugungen stehen und ohne zu zögern ihren Weg fortsetzen, selbst wenn eine schwere Last auf ihren Schultern liegt.

Wissenschaftler stehen ratlos vor der großen Bandbreite dieser Symptome. Genauso verwirrend sind die Reaktionen der Betroffenen. Eltern bestätigen bereitwillig die radikalen Änderungen ihres Verhaltens. Gleichwohl erklären aber nahezu alle auch, dass sie den neuen Zustand bevorzugen. “Ich würde absolut nichts ändern”, ist die übliche Aussage.

Offenbar verbessert das „Spezielle Extra“ das Leben aller Menschen, die das Glück haben davon infiziert zu werden.

Wendy Holden

Veröffentlicht mit Genehmigung von Wendy Holden. E-Mail von Wendy: holden@elltel.net

 


Down syndrome is Contagious

Down syndrome is a genetic disorder characterized by a triplication of the genetic material on the 21st chromosome. This trisomy occurs with the first division of the developing zygote, as a result there is extra genetic material present in every cell of the individual.

Recently, science has discovered that this cellular abnormality is highly contagious.

As a result, family members (and even friends) of individuals with Down syndrome often find themselves exhibiting dramatic changes due to this “something extra” permeating their bodies at the cellular level.

These changes manifest themselves in a number of ways. Something extra in the visual cortex results in parents who view the world differently.

In addition to seeing things in an entirely new light, these parents also report having an increased ability to focus on what is important.

Spontaneous appearance of tears of joy have also been confirmed. The section of the brain used in logical thought undergoes dramatic changes.

Parents suddenly find themselves able to comprehend and discuss complex medical procedures. The ability to decipher long strings of acronyms appears almost immediately and it is not uncommon for affected parents of newborns to be able to differentiate between ASD,VSD and PDA. Familiarity with G-tubes, Pic lines and the NICU is another side effect.

Over time, the entire nervous system is transformed, enabling parents to perform tasks previously thought impossible. These changes result in individuals finding the nerve to advocate before large crowds, speak to classrooms of medical students and educate the population at large about issues they are passionate about. These changes are closely tied in to dysfunctions in the verbal abilities, which makes it virtually impossible for parents to bite their tongue. Often, individuals who previously considered themselves reserved will find themselves outspoken and effective communicators.

The pulmonary system is altered to a dramatic extent. Parents report having their breath taken away at the slightest prompting. The cardiovascular system develops similar vulnerabilities and reports of hearts pounding loudly and swelling unexpectedly are not uncommon.

One mother reported that her heart skipped a beat when her son smiled at her for the first time.

The extremities are also altered. Arms reach out to strangers for support, and in turn, hands comfort and nurture those in need. Legs strengthen and balance improves, allowing parents to stand firm in their convictions and walk without faltering, even when shouldering a heavy load.

Scientists are baffled by the widespread scope of these symptoms. Equally perplexing is the response of those afflicted. Parents readily acknowledge fundamental changes in their being, however, almost universally declare a preference for their new, altered level of functioning. “I wouldn’t change a thing” is a common refrain.

Apparently, the presence of a little “something extra” enhances the lives of individuals fortunate enough to be infected.

Wendy Holden

posted with the explicit permission of Wendy Holden – contact her at: holden@elltel.net

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